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Roland Berger

* 13.03.1945
† 01.03.2014
Erstellt von NW / WB Trauerportal
Angelegt am 04.03.2014
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Über den Trauerfall (1)

Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Roland Berger, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.

Nachruf Neue Westfälische

04.03.2014 um 11:02 Uhr von NW / WB

Der Vielflieger aus Brackwede

Trampolinturner Roland Berger ist mit 68 Jahren im Skiurlaub plötzlich gestorben

Bielefeld (Maat). Roland Berger ist tot. Die Ikone der Brackweder Trampolinturner starb am Samstag während eines Skiurlaubs. Berger war mit einer Gruppe der Universität Bielefeld in Davos, als es ihm am Freitagabend plötzlich schlecht ging und er mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden musste. Am frühen Samstagmorgen war 68-Jährige tot. Die genaue Todesursache ist noch nicht bekannt.


'Roland war ein echter und ehrlicher Mensch, der stets das offene Wort gepflegt hat', sagte Brackwedes Vorsitzender Günther Bensiek: 'Er hatte große Fähigkeiten, sich für seinen Sport einzusetzen und ihn zu fördern. Die Trampoliner sind unsere erfolgreichste Abteilung.' Bergers Sport war das Trampolinturnen. Mit zehn Jahren wurde er 1955 Mitglied der Turnabteilung der SV Brackwede, aus der später die Trampoliner hervorgingen. Vorher war Berger mehrfach Bezirks- und Gaumeister und turnte in Oelde in der Landesliga. Der erste Kontakt mit dem Trampolin ließ ihn jedoch nicht mehr los. 'Der Trampolinsport ist mein Lebensinhalt', sagte der 'Vielflieger' schon vor Jahren. 1961 erwarb die SVB das erste Großtrampolin. Natürlich waren es zuerst die Turner, die mit diesem neuen Gerät experimentierten. Nach unsicheren Anfängen konnte aber schon 1963 Roland Berger bei seiner ersten (von insgesamt 15) Deutschen Meisterschaften als Elfter das Finale erreichen.


Mit ihm spezialisierte sich neben den Kunstturnern eine kleine Gruppe von Springern auf die wettkampfmäßige Nutzung des Trampolins. Zunächst baute Berger aber mit seiner späteren Frau Heidi eine Leistungsgruppe für weibliches Kunstturnen auf, die bald einige Landesmeisterschaften erringen konnte. Das Trampolinturnen wurde als koordinative Ergänzung betrieben, und konnte nicht weiter forciert werden, vor allem, weil kein gutes Wettkampfgerät vorhanden war. Erst als 1974 zwei neue Geräte angeschafft wurden, schlug das Pendel mehr in Richtung Trampolinturnen. Jetzt wurde Kunstturnen nur noch als Ausgleich betrieben, blieb bald mit den steigenden Belastungen im Trampolinturnen ganz auf der Strecke. In der nachfolgenden Zeit häuften sich die Erfolge. Durch die konsequente Leistungsförderung hat sich Brackwede bis heute eine führende Position im Deutschen Trampolinturnen erarbeitet. In den 1980er-Jahren war das Bundesliga-Team der SVB ohne die Familie Berger nicht denkbar. Ehefrau Heidi, Tochter Gaby, die Zwillinge Heiko und Christine sowie Berger selbst stellten immer einen großen Teil des Teams. 1985 wurde Berger Bundestrainer, beinahe 100 Medaillen seiner Turner auf internationalen Wettkämpfen sind eine bemerkenswerte Bilanz. Dennoch mobbte der DTB Berger nach zehn Jahren aus dem Amt, weil einige Athleten unter ihm nicht mehr arbeiten wollten. Berger schmiss jedoch nicht hin, sondern konzentrierte sich auf seine Arbeit am Bundesstützpunkt in Brackwede.


Dort brachte er, trotz fehlender finanzieller Unterstützung, eine solche Vielzahl von Talenten in den Leistungssport, dass phasenweise Athleten aus Bielefeld den Großteil der Jugendnational-Mannschaften stellten. Zweimal wurde die Abteilung mit dem 'Grünen Band' ausgezeichnet. Aber Berger musste auch Enttäuschungen verkraften: Immer wieder verließen Turner seinen Stützpunkt.


Er selbst war stets topfit und machte den Jüngsten viele Dinge vor. 'Jetzt turnt Opa wieder selber', frotzelte der stolze Großvater mit viel Selbstironie. In der Altersklasse Ü 60 nahm er noch mehrfach an Deutschen Meisterschaften teil.