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Karl Josef Denzer

* 23.03.1925 in Trier
† 16.02.2011
Erstellt von NW / WB Trauerportal
Angelegt am 17.02.2011
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Über den Trauerfall (1)

Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Karl Josef Denzer, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.

Nachruf Neue Westfälische 17.2.2011

17.02.2011 um 14:33 Uhr von NW / WB

Die Bielefelder SPD über viele Jahre geprägt

Karl-Josef Denzer starb im Alter von 85 Jahren

Bielefeld. Er gehörte zur alten Garde der Kommunal- und Landespolitiker. In der Nacht zum Mittwoch ist Karl Josef Denzer, fünf Wochen vor seinem 86. Geburtstag, gestorben. Seit 1950 war der in Trier Geborene Mitglied der SPD.

Denzer war Angehöriger der zweiten Generation der Nachkriegs-Politiker, die nicht mehr schiere Not, aber doch vieles neu regeln und ausrichten mussten. Eine Generation, die auch große Chance der Neugestaltung hatte und nutzte.

In Bielefeld zählte 1973 die Kommunale Neugliederung, der Zusammenschluss von Stadt und Landkreis, der Bau von Schulen, der neuen Städtischen Kliniken oder des Ostwestfalendammes dazu.

1943 noch als Funker im Panzerwagen ausgebildet, beendete Karl Josef Denzer 1945 den Zweiten Weltkrieg in amerikanische Gefangenschaft. Über das lippische Werl-Aspe, der Heimat seiner Ehefrau Ruth, kam er 1964 nach Bielefeld. Der junge Mann fand Anstellung bei der AOK, brachte es dort, nach dem Sozialdiplom der Verwaltungsakademie in Münster, bis zum Abteilungsleiter.

Nach kommunalpolitischen Erfahrungen von 1954 bis 1964 in Werl-Aspe, gehörte Denzer von 1969 bis 1983 dem Rat der Stadt Bielefeld an. Dort war er viele Jahre Vorsitzender der SPD-Fraktion und Vorsitzender des Finanzausschusses. Bis Ende 1981 stand er auch 13 Jahre lang an der Spitze des SPD-Unterbezirks. Mitglied des Landtags war der Wahl-Bielefelder von 1970 bis 1990. Dort führte er von 1980 bis 1985 die Landtagsfraktion und war - Höhepunkt seiner politischen Karriere - von 1985 bis 1990 Landtagspräsident von Nordrhein-Westfalen.

Nach Art aufstrebender Genossen in den 60er und 70er Jahren, ging auch der Politiker Denzer damals gern vornehm in dunkelblaues Tuch gekleidet und war mit Flachköfferchen unterwegs. Stets zur Fröhlichkeit aufgelegt, machten dem Vielraucher und rechten Sozialdemokraten Zuhause junge Linke aus der 68er Zeit zu schaffen.

Andererseits scheute er selbst keine despektierlichen Äußerungen. Sei es über seinen Ministerpräsidenten, Johannes Rau (als er 1984 nicht in den SPD-Bundesvorstand gewählt wurde), oder seinen Bielefelder Oberbürgermeister, Herbert Hinnendahl (?). Der eher betuliche und würdige Herr war als AOK-Direktor beruflich zugleich sein Chef. In der Politik brauchten aber alle ,,den Jupp“ -ob Regierungschef oder OB.

Mit 65 Jahren schied Karl Josef Denzer aus allen Ämtern aus, hielt sich politisch zurück und pflegte sich gern in seinem Haus in Spanien. Alte Weggefährten erinnern sich aber immer noch der Höchstform denzerscher Empörungsrhetorik: ,,Das darf doch nicht wahr sein...“